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Tagung 2005

Politischer Platonismus: Befund - Tradition - Kritik: Tagung vom 24. bis 26. Juni 2005

Ort: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Politische Wissenschaft

Arbeitskreis Praktische Philosophie in der Gesellschaft für antike Philosophie

Der politische Platonismus wird in der Regel als mit den Grundsätzen moderner liberaler Verfassungsstaaten unvereinbar angesehen. Er beruhe nicht nur auf einer überholten Anthropologie und einem unzulässigen Eudaimonismus, sondern er trete für die Herrschaft einer selbsternannten Wissenselite ein und propagiere hierarchische Gesellschaftsstrukturen, eugenische Maßnahmen, Propagandalügen und ähnliche Greuel mehr. Der Platonismus sei letztlich unrealistisch, unpolitisch, undemokratisch, elitär und konspirativ. Wer Platons Philosophie und die an sie anknüpfende Tradition unter politischen Gesichtspunkten aufgreift, gerät noch heute leicht in denselben Verdacht.

Die Kritik am politischen Platonismus setzt voraus, daß Platons Philosophie tatsächlich ein entsprechendes politisches Plädoyer enthält. Das allerdings wurde durchaus bestritten. In der älteren Tradition stehen Platons Dialoge für eine kritische Beurteilung der Reichweite des politischen Idealismus, der Leistungsfähigkeit von Politik überhaupt und für die umfassende Reflexion der Ratio bürgerlicher Angelegenheiten. Der islamische und jüdische Rationalismus des Mittelalters knüpfte gerade deshalb an Platon an, weil er eine ausgleichende Moderation der in Konflikt stehenden Erfordernisse von Politik, Religion und Wissenschaft unter der Herrschaft des Gesetzes anbot. Einige Stränge einer politisch fruchtbaren Rezeption reichen bis in die Gegenwart hinein.

Das Erlanger GANPH-Kolloquium möchte sich unter drei Gesichtspunkten mit dem politischen Platonismus befassen: mit dem Befund politischer Optionen in Platons Dialogen, mit der Aufnahme der Tradition des politischen Platonismus bis in die Gegenwart und mit der Diskussion der Kritik am politischen Platonismus.

 

Vorläufiges Programm

 

Freitag, 24. Juni 2005
  • 14.00h - Clemens Kauffmann Begrüßung

Sektion 1: Befund
Moderation: Mathias Hildebrandt

  • 14.15h - Marcel van Ackeren (Bern / Köln): Gesetzesgehorsam in Apologie und Kriton
  • 15.00h - Tanja Säthler (University of Sussex): Über den Nutzen und Nachteil der Gesetzgebung
  • Kaffeepause
  • 16.15h - Damir Barbaric (Zagreb): Das Maß: Ein Grundbegriff der politischen Philosophie Platons
  • 17.00h - Heinrich Reinhardt (Chur): Drei Grundlinien von Platons politischem Denken: Dike - Techne - Nomos

Samstag, 25. Juni 2005


Sektion 1: Befund
Moderation: Mathias Hildebrandt

  • 9.00h - Kurt Sier (Leipzig): Der Staatsmann in Absenz: Überlegungen zu Platon, Politikos 295-296 und Solons politischer Dichtung

Sektion 2: Tradition
Moderation: Helmut Klumpjan / Hans-Jörg Sigwart

  • 9.45h - Georges Tamer (Erlangen): Al-Farabis Kommentar zu Platons Nomoi
  • Kaffeepause
  • 11.00h - Alexandrine Schniewind (Genf): Was motiviert die Rückkehr des Weisen in die Höhle? Averroes' Darstellung des Höhlengleichnisses
  • 12h-14h - Mittagspause
  • 14.00h - Barbara Zehnpfennig (Passau): Kallikles und Hitler: Über die Aktualität des sokratischen Dialogs
  • 14.45h - Clemens Kauffmann (Erlangen): "Rede" und "Tat" im Platon-Bild von Leo Strauss
  • Kaffeepause
  • 16.00h - Annette Hilt (Freiburg): Eugen Finks phänomenologische Rezeption der politischen Philosophie Platons
  • 16.45h - Hendrik Hansen (Tacoma/USA): Platons Politeia I und die Paradigmendiskussion der internationalen politischen Ökonomie

 

Sonntag, 26. Juni 2005

Sektion 3: Kritik
Moderation: Jörg Kohr

  • 9.00h - Wilfried Kühn (Paris): Zur Kritik des politischen Platonismus im Mittelalter: Marsilius von Padua gegen Aegidius Romanus
  • 9.45h - Andreas Eckl (Bonn): Platons Kritik an der Freiheit in demokratisch verfaßten Gesellschaften
  • Kaffeepause
  • 11.00h - Lothar Willms (Heidelberg): Popper, Platon und der Totalitarismus
  • 11.45h - Dirk Lüddecke (München): Isaiah Berlins liberal-pluralistische Kritik am politischen Platonismus

 

Kontakt & Anmeldung:

Anmeldung erbeten bis 17. Juni 2005

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Clemens Kauffmann
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Politische Wissenschaft
Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II
Kochstraße 4/7, D-91054 Erlangen
Tel.: 09131-85-22336, Fax.: 09131-85-22371
Email: cskauffm@phil.uni-erlangen.de

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